Der Paketflut Herr werden

11. Dezember 2017 0 Kommentare

Ein DANKE an die Paketzusteller

Die letzten Tage werden insbesondere aus Deutschland immer wieder Berichte zu Problemen in der Paketzustellung publiziert. Der eine spricht von Deckelung der verarbeitbaren Paketmengen oder von Zuschlägen in der Hochsaison. Der andere von Qualitätsproblemen, Zusatzkosten für die letzte Meile oder Auslass-Techniken von Zustellern etc. Am Schluss bekommt es immer der Zusteller ab, ein eigentliches Zusteller- und Logistikbashing greift um sich. Wer sich mit der Branche in der Tiefe auseinandersetzt und etwas neugierig ist, weiss welche Probleme mit ein paar Prozent mehr Menge entstehen können. Das Gleichnis des Gubrist hilft hier dem Laien vielleicht ein wenig: Der Gubrist kann im Idealfall x Tausend Autos pro Stunde «verarbeiten». Wenn aber in der Hochlast-Stunde y nur 10 Autos dazukommen, dann kollabiert das System. Unsere Paketsysteme laufen genau auf dieses Problem hin, insbesondere an Weihnachten, aber bald auch unterjährig (Black Friday und Co). Und die Leidtragenden sind dann nicht die 10 Zusteller bzw. Pakete sondern x Tausend Zusteller.

Höchste Zeit, dass wir uns auch in der Schweiz mit diesem Mengen-Phänomen anfangen auseinander zu setzen. In erster Linie wünsche ich mir, dass in der Schweiz ein Zusteller- und Logistikbashing keinen fruchtbaren Boden findet. Eine Kultur welche wir (und insbesondere die Post) bis heute nicht zugelassen haben und welche wir unter allen Umständen vermeiden sollten… es tut der Sache nämlich nicht gut.

Hier also nun ein paar wirre Weihnachtswünsche eines Wahnsinnigen an die Paketdienstleister der Schweiz – ich hoffe es hilft auch den Zustellern!

  1. Jedes neu gebaute Haus in der Schweiz bekommt seine eigene Paketstation (Mehrfamilienhäuser ab 4 Wohneinheiten) oder zumindest einen eigenen Paketkasten (bis und mit 3 Wohneinheiten). Das Milchkasten-Format wird aus dem Gesetz/Verordnung gestrichen und mit einer Paketkasten-Format-Formel ersetzt. Der Zusteller muss nicht mehr klingeln und der digitale Paketkasten ersetzt die Unterschrift.
  2. Die Post baut auf die ganze Schweiz verteilt 25 Sortier-und Verteilzentren, diese werden mit einer Zielverarbeitungsmenge von total rund 500 Mio Paketen / Jahr ausgestattet (entspricht einem Online-Anteil im Non-Food Retail von 60 %, Food ca. 10 %).
  3. Warenbestände werden nicht mehr zentral an einem Ort gehalten sondern vorausschauend (Smart Data für A-Produkte) in den entsprechenden Paket-Regionen bevorratet – wenn möglich in der Nähe der neuen Verteilzentren.
  4. Die Verteilzentren nehmen 24 Stunden pro Tag Pakete entgegen und verarbeiten/sortieren diese vollautomatisiert. Langsamste Laufzeit ist Next-Day, 40 % der Mengen sind Same Day Zustellungen.
  5. Randregionen werden 2 mal täglich mit Paketen versorgt, Zentrumsregionen erfahren 3 Zustellungen pro Tag (halt so wie ganz früher…). Der Samstag ist normaler Zustelltag, der Sonntag wird zum Paketabholtag beim Kleinversorger.
  6. Kleinversorger-Läden schiessen aus dem Boden, sie machen jedoch 40 % ihres Umsatzes mit Post- und Versorgungsdienstleistungen und stellen gleichzeitig lokal eigene Ware (insbesondere frische und /oder gekühlt) zu. Die Post liefert 30 % des Paketvolumens direkt an diese Last-Mile-Kleinversorger-Verteiler. Diese stellen mit Elektro-Lastenfahrzeugen Ware lokal zu.
  7. In den Grossstädten entstehen Netzwerke von Zustellorganisationen und Warenlager. Jeder spricht mit jedem, jeder handelt mit jedem und die gegebene chaotische Infrastruktur (Fahrzeuge, Personal) wird von einer einzigen Technologiedrehscheibe geführt. Zweck: Das komplette Chaos nutzen und am Effizienzoptimum produzieren.
  8. Ein Paket kostet aufgrund der riesigen Volumen, kürzerer Transportstrecken und Skalenvorteile noch 3.50 CHF. Für alle! (auch für Chinesen). Die Wegstrecke eines Paketes reduziert sich im Durchschnitt um den Faktor 20. Die transportierte Luft reduziert sich infolge intelligenter und angepasster Verpackung um 80 %. Es ist unglaublich ökologisch so einzukaufen.
  9. Der Zusteller und Versorger ist: Anerkannt. Wertvoll. Wertgeschätzt. Zuvorkommend. Interessiert. Unterstützend. Präsent. Er/Sie ist Teil unseres Lebens.

Es ist Weihnachten, ich darf mir doch was wünschen oder? Ich wünsche mir, dass Sie Ihre(n) Zusteller wertschätzen. Er schuftet heute bis zum Umfallen und er scheut bis kurz vor dem Weihnachtsbaum keine Mühe. Danken Sie ihm, dass er das möglich macht. Und danke an deren Arbeitgeber, dass sie nicht blindlings ins Verderben laufen und vorausschauend planen.

Es wird nämlich nicht weniger, es wächst exponentiell. Und das noch etwas länger… Ich möchte gerne in einem Land online einkaufen, in welchem Zustellung und Versorgung wertgeschätzt und nicht «gebasht» werden. 

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