Weg mit diesem Internet

2. Juli 2017 0 Kommentare

Warum ein Apothker in Deutschland seinen Onlinehandel aufgibt!

Dass das Internet die Gesellschaft verändert ist mittlerweile allen klar. Dass es aber immer noch Vereinigungen und Menschen gibt, die diese Entwicklung verteufeln und nur die negativen Seiten wahrhaben wollen, zeigt dieser Artikel in www.apotheke-adhoc.de auf – ein Schulbeispiel an ideologischer Projektion von gesellschaftlichen und sozialpolitischen Problemen auf den Online-Handel.

Konkret:

  1. Die Breitseite
    «Ich möchte nicht, dass meine Kinder später in einer Geisterstadt leben müssen, in der es außer Botenautos keine Läden mehr gibt. Ich habe mich daher entschlossen, meine Versandapotheke zu schließen und ich bereue es zutiefst, dass ich diese Weisheit nicht bereits früher besessen habe.»

    Er möchte also lieber in einer Stadt leben, in welcher die Autos der Konsumenten verkehren und Parkplätze geschaffen werden? Oder ist er für die uneingeschränkte Fussgängerzone, welche von den Konsumenten immer weniger geschätzt wird, da die Einkäufe immer weiter zum Auto geschleppt werden müssen? Oder ist er für ein neues Parkhaus in der Innenstadt oder dann doch lieber auf der grünen Wiese.

    Wieviele Botenfahrzeuge kommen denn auf den motorisierten individualisierten Verkehr (MIF)? Man wird überrascht und erstaunt sein, wie tief dieser Anteil ist. Ach ja, und er ist als Apotheker wahrscheinlich schon auch ein wenig froh, dass bei ihm einmal, wenn nicht zweimal pro Tag Nachschub eintrifft. Evtl. mit der Post, evtl. auch von Fahrzeugflotten der Medikamentenversorger…

  2. Die Vernunft?
    «da es durchaus Situationen im Leben geben kann, in denen der Versand eine sinnvolle Ergänzung der lokalen Versorgung darstellt“

    Einverstanden. Aber zurück zum Online Bashing: Was gilt denn jetzt? Aus der Schliessung der eigenen Versandapotheke und der unausgesprochenen Forderung, dass es andere auch tun sollten muss folgender Schluss gezogen werden: Es gibt Situationen im Leben wo es Sinn macht Medikamente zu versenden, aber diese Konsumenten haben es nicht verdient ihrer Lebenssituation entsprechend bedient zu werden.

  3. Und dann die negativen Erfahrungen mit den Kunden
    Doch schon damals zeigten sich die negativen Auswirkungen des Versandhandels. Vermeintliche Sammelbesteller und Wiederverkäufer meldeten sich, es gab Hinweise auf Medikamentenmissbrauch, Kreditkarten- und andere Betrügereien sowie geprellte Rechnungen. Auch Droh- und Scherzanrufe veranlassten ihn zum Gegensteuern. „Ich habe die Stückzahl vieler OTC-Arzneimittel auf apothekenübliche Mengen begrenzt. Dann kamen die Anrufe und Beleidigungen.“ Geliefert hat er trotzdem nicht. Er wisse ja schließlich nicht, was die Besteller mit den größeren Mengen vorhätten.

    Ja, es gibt negative Erfahrungen mit Kunden. Es gibt Ladendiebe, Vandalen, Schaufensterpinkler und miefende Kunden im Laden. Es gibt Falschgeld, gestohlene Kreditkarten, Simulanten und Medikamentensüchtige. Das sind Konsumenten die niemand will, aber das sind auch einfach Personen, welche das Leben hervorbringt. Ob wir nun den Online-Handel verbieten oder nicht.

    Er hat nur noch apothekenübliche Mengen versandt. Wow – das tönt aber super. Aber: Ist das nicht einfach Standard und zu erwarten, dass man keine Grosshandelsportionen an Privatpersonen verschickt?

    Er ist betrogen worden, weil er gegen Rechnung verkauft hat. Die Rechnung ist also auch noch schuld am Bösen des Online-Handels

  4. Und dann das Lieblingsargument der deutschen Apotheker
    Die Apotheke ist ein lebensnotwendiger Nahversorger, ist Patenge überzeugt. Mit der Ausdünnung des Apothekennetzes gerate die flächendeckende Versorgung in Gefahr. Mit dem EuGH-Urteil und dem Einstieg von Amazon war für Patenge dann der Bogen überspannt.

    Siehe Argument 2 des gleichen Herren Patenge. Es gibt Situationen…

    Dieses ewige Nahversorger Argument geht so was von auf den Wecker. Wenn die Herren und Damen Apotheker in andere Regionen ihres Landes und dieser Welt schauen würden, dann sähen sie, dass Nahversorgung nur noch mit Online-Handel möglich ist. Ohne geht nicht mehr bzw. reduziert die Qualität der Nahversorgung in gewissen Regionen oder macht Konsumenten zu «Reisenden».

    Aber vielleicht möchte man solchen Regionen auch den Strom wegnehmen, damit sie nicht mehr Online kommunizieren und sich informieren können.

  5. Und zum Schluss noch der Klimaschutz
    "Aber im Bereich der Nahversorgung mit Dingen des täglichen Bedarfes, allen voran Lebens- und Arzneimitteln, ist der Versandhandel in infrastrukturell gut ausgebauten Gebieten wie in Deutschland absolut überflüssig und aus Sicht des Umweltschutzes und der Klimabilanz ohnehin eine Katastrophe."

    Alle, welche sich nicht mit dem Thema befasst haben, springen zu diesem Kurzschlussargument. Es gibt mittlerweile einige Studien zu diesem Thema und alle kommen zu einem anderen Schluss als Herr Patenge. (siehe die Studie für die Schweiz). Aber er weiss es ja, dass das eine Katastrophe ist. Er hat sich aber kaum je nur eine Minute im Detail damit auseinander gesetzt.

    Wenn er nur einen Gedankengang mehr zulassen würde, dann wäre es für ihn sicherlich auch zu erkennen, dass so eine Botenfahrt doch unheimlich effizient ist und viel MIV überflüssig macht. Es sei denn, er schafft es die Konsumenten so zu erziehen, dass sie nur noch «Sammeleinkäufe» in gemeinsamen Einkaufsfahrten mit dem Nachbarn zu seiner Apotheke, Bäcker, Lidl und Co. tätigen.

    Er hat sich grade auf diesen Weg gegeben. Ich schlage vor, dass er sich nochmals hinsetzt und sich genau überlegt, was er tut. Meines Erachtens hat er 2008 den richtigen Weg eingeschlagen. Er hat Konsumenten die Möglichkeit gegeben bei ihm lokal einzukaufen und er hat Konsumenten die Möglichkeit gegeben über die Distanz zu beschaffen.

    Ist doch super oder? Der Konsument kann wählen. Jetzt kann er es beim Herr Patenge nicht mehr und wir wünschen uns, dass Herr Patenge nicht in 5 Jahren sagt: Der Online-Handel ist schuld, dass ich meine Apotheke nun geschlossen habe. Er hätte es anders haben können.

    Er will nicht, das ist zu akzeptieren. Die Argumente sind aber Scheinargumente und dienen einer ideologischen Kampagne eines Verbandes.  
Kommentar schreiben