Hallo Bern - bitte aufhören

24. Juni 2015 3 Kommentare

Regulierungswut ohne Ende

Ich muss jetzt einfach mal was loswerden: Vor ca. 3 Monaten habe ich in Brüssel in einer Runde mal zu wagen gesagt, dass der Bürokratie-Apparat sich dort nur mit neuen Gesetzen rechtfertigen kann und deshalb laufend neue und immer "unmöglichere" Gesetze produziert. Es ist heute für einen KMU Betrieb in der EU eigentlich schon gar nicht mehr möglich sich an alle Gesetze zu halten. Damit wird UNGEHORSAM eigentlich zur NORM - und dies nicht aus kriminellem Antrieb sondern aus der Not. Betretenes Schweigen und eine Aufforderung der "Täter" den Beweis für die Aussage anzutreten, indem wir Unternehmen nach Brüssel bringen sollen, welche dies aufzeigen. Wir folgen brav der Aufforderung und schicken immer wieder Unternehmer an die Veranstaltungen, wir hoffen, dass es nützt. 

Und nun zu dem was mir als Schweizer noch viel mehr Sorge bereitet:

Unser Land ist auf bestem Wege die EU-Bürokratie zu übertrumpfen! Immer neue Vernehmlassungen zu neuen, wahnsinnigen Gesetzen prasseln auf uns nieder. Getrieben von einem toxischen Mix an Konsumentenschutz (gleichzeitig Bekämpfer der Hochpreisinsel), linker Ideologie, kompromissbereiten Mittepolitikern und Mauer baue(r)nden Rechtspartei wälzt sich Vernehmlassung um Vernehmlassung zu noch mehr Kontrolle, noch mehr Nachweisen, noch höheren Anforderungen als in der EU über unser Land. Wir resp. unsere Bundesvertreter schaufeln mit Baggern an unserer Gesetzes-Grube in welche eines Tages der Schweizer Handel fallen wird. Vielleicht schaffen es die Bauern zusammen mit Migros und Coop aber auch vorher noch eine Lebensmittel-Mauer um unser Land zu ziehen und die Selbstversorgung wieder hochleben zu lassen.

Manchmal frage ich mich, ob diese Leute eigentlich wissen, was da draussen in der Welt los ist und wie die Bürger (=Konsumenten) denken. All diese Massnahmen haben nämlich eines gemeinsam: Sie treiben den Schweizer Handel in den Ruin! Und ja, sie treiben auch unsere KMU in den UNGEHORSAM - weil es nicht mehr möglich ist alle Vorschriften zu befolgen. Eine Kultur welche mir in der Schweiz noch fremd ist, welche wir aber in Zukunft immer häufiger antreffen werden. 

Und um die Sache auch noch etwas rund zu machen: Sie wissen, was die Konsequenz von mehr UNGEHORSAM ist? Mehr Gesetze = mehr Kontrolle = mehr Staat, mehr Beamte, mehr Anwälte.

Manchmal frage ich mich: Sind Herr und Frau Schweizer wirklich so ungehorsam, dass sie diese neuen Gesetze verdienen? Ich glaube nein. Ich glaube, dass wir etwas anderes verdient haben, was unser Miteinander über die letzten Jahre geprägt hat: Ein hohes Mass an VERTRAUEN untereinander gepaart mit EIGENVERANTWORTUNG. Mir tut es weh, wie diese existierende Vertrauensbasis mit Füssen getreten wird und die Eigenverantwortung schleichend in Bevormunung mutiert. Wir hatten eine so tolle Schweiz auf die ich immer wieder gerne verwiesen habe - momentan fällt mir dies echt schwer. Leider.

 

 

 

 

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  • Jacqueline Urbach

    Jacqueline Urbach schrieb am 3. Juli 2015 um 10:15 Uhr:

    Patrick Du sprichst mir aus dem Herzen. Super dass es dich gibt und dass wir Dich im VSV haben.
  • Thomas Lang

    Thomas Lang schrieb am 14. Juli 2015 um 13:49 Uhr:

    100% Zustimmung. Bislang basierte der Umgang in der Schweiz auf Vertrauen, in Nachbarländern wie zB Deutschland auf Misstrauen.

    Wir sind auf dem besten Weg dazu, dass es auch in der CH kippt. Das wäre eine Katastrophe und wo es hinführt, kann man mit einem Blick nach DE ganz einfach sehen.
  • Alfred Noser

    Alfred Noser schrieb am 23. September 2015 um 11:03 Uhr:

    Sehr pointiert geschrieben und verdient ebenfalls meine volle Zustimmung. "Wehret den Anfängen" bin ich versucht zu sagen oder hält Linksgrün schon alle Fäden in der Hand?